Kernkraftwerk
OBRIGHEIM (KWO)

Obrigheim liegt in Baden-Württemberg,
im Landkreis Mosbach/ Baden. Das Kernkraftwerk befindet sich in der Talaue des
Neckars, westlich des Ortes.
Am 15. März 1965 begannen die
Bauarbeiten in Obrigheim.
Ende 1967, nach nur zweieinhalb
Jahren Bauzeit, konnten die ersten Systeme in Betrieb genommen werden.
Das Kernkraftwerk Obrigheim wurde
im Rahmen des zweiten Atomprogrammes der Bundesrepublik Deutschland als
Demonstrationskernkraftwerk errichtet. Als Gemeinsames Unternehmen von
Euratom hat sich das KWO verpflichtet, über die Erfahrungen bei Bau und Betrieb
der Anlage detailliert zu berichten, damit andere Länder die gewonnenen
Erfahrungen nutzen können.
Beginn:
September 1968 wurde der Reaktor
mit Brennelementen beladen.
22.09.1968 um 5.45 Uhr: Messung
der ersten Kettenreaktion
Beginn des nuklearen Betriebes im
KWO
29.10.1968 um 18.45 Uhr: erste
Synchronisation des Turbosatzes mit dem
Netz
Strom fließt in das Verbundnetz
!!
Zu diesem Zeitpunkt war das KWO
das größte leichtwassergekühlte Kernkraftwerk Europas.
In bislang über 30
Betriebsjahren hat das Kraftwerk bei einer zeitlichen Verfügbarkeit von mehr
als 81% rund 80 Mrd. kWh Strom erzeugt und damit einen wichtigen Beitrag für
die Stromversorgung Baden-Württembergs geleistet.
Warum
in Baden-Württemberg ?
Nach dem 2. Weltkrieg arbeiteten
die Siegermächte an der friedlichen Nutzung der Kernenergie. 1956 entstand das
erste große Kraftwerk in Calder Hall in England (Strom aus Kernenergie).
Dadurch wurde das Interesse der deutschen Energieversorgungsunternehmen an der
Entwicklung von Kernkraftwerken größer.
Der Bedarf an Elektrizität stieg
Jahr für Jahr an. In Baden-Württemberg war die Wasserkraft des Landes zum großen
Teil ausgebaut. Eine preisgünstige Versorgung mit Strom wurde durch das Fehlen
fossiler Energieträger und durch die hohe Mineralölabhängigkeit behindert.
Die „Kernkraftwerk Baden-Württemberg Planungsgesellschaft mbH“ (KBWP), im
Herbst 1960 gegründet, hat die Kernkraftwerk-Obrigheim-GmbH geplant. Die
Realisierung dieser neuen Technik der Energiegewinnung wurde von einer breiten
Schicht baden-württembergischer Energieversorgungsunternehmen getragen.
Sehr
wichtig: der Mensch
Die gelungene Konzeption der
Anlage ist ein großer Faktor für das bisherige gute Betriebsergebniss des KWO.
Ein anderer sehr wichtiger Faktor für das Funktionieren eines solchen
umfangreichen technischen Systems sind die Menschen, die diese Anlage mit Fleiß,
Organisationstalent und Zuverlässigkeit betreiben.
Das KWO hat 350 Mitarbeiter.
Davon sind 290 Vollzeit-, 20 Teilzeit- und 20 befristet beschäftigt. Über 20
junge Frauen und Männer werden zur Zeit im KWO ausgebildet. Viele Mitarbeiter
sind von Anfang an dabei. Die verlangten Qualifikationen sind eine gute
fachliche Ausbildung, eine hohe Arbeitsmoral und Berufsethik. Ihre Rolle: ein
großes Energiepotential aktivieren, überwachen, steuern und regeln. Sie haben
also sehr viel Verantwortung!! Die Mitarbeiter werden außerdem durch
Fortbildungen ständig auf dem Laufenden gehalten. Zum Beispiel hat einmal im
Jahr jeder verantwortliche Mitarbeiter des Schichtpersonals eine Woche
Ausbildung an einem Kraftwerks-Simulator in Essen. Mit Hilfe einer großen
Computeranlage werden alle möglichen Störungen durchgespielt. Die Mitarbeiter
des KWO verfügen, wie sich gezeigt hat, über ein gut fundiertes Wissen.
Morgens wird die Arbeit
(Reparaturen und Wartungsarbeit) in jeder dafür geeigneten Abteilung an die
Fachleute verteilt. Aber auch die nicht direkt Beteiligten werden über die
Gesamtheit der anstehenden Aufgaben und deren Problematik informiert. Dadurch
kann man mit einem guten menschlichen Verständnis, einem harmonischen
Arbeitsklima und einer verantwortungsvollen Zusammenarbeit rechnen.
Umwelt

Ein
Atomkraftwerk verbraucht keinen Sauerstoff zur Verbrennung von Rohstoffen. Es
produziert also keine Abgase (wie z.B. Kohlendioxid, Stickoxide...).
Obwohl im KWO nichts verbrannt
wird, gibt es in der Anlage einen 60 Meter hohen Abluft- Kamin. Dieser dient der
Entlüftung des Reaktorgebäudes und des Hilfsanlagengebäudes, wobei ein Teil
des benutzten Primärwassers zur Reaktorkühlung gereinigt wird. Deshalb können
in der Abluft auch Spuren gasförmiger und leicht flüchtiger radioaktiver
Elemente vorhanden sein. Die Luft wird aber über hochwirksame Filter geführt.
Nur Spuren von radioaktiven Stoffen verbleiben in der Abluft. Es handelt sich um
Edelgase wie Krypton und Xenon, um radioaktive Staubpartikel (Aerosole). Die
Mengen an radioaktiven Stoffen, die tatsächlich abgegeben werden, liegen weit
unter der Schädlichkeitsgrenze. Diese Werte werden jährlich vom
Bundesinnenministerium veröffentlicht.
Die Umgebung des Kernkraftwerkes
wird sehr sorgfältig überwacht. In fünf Meßstationen wird ständig die
Aktivität der Luft kontrolliert. Im Umkreis bis 17 Kilometer Entfernung sind
zahlreiche Dosimeter ausgehängt. Sie messen die gesamte Strahlenexposition.
Regelmäßig werden auch
Bodenproben, Proben des Neckarwassers und des Neckarschlammes genommen.
Von Bauernhöfen, die in der Nähe
liegen, wird die Milch der Kühe untersucht. Auch die Fische aus dem Neckar
sowie Weizen und Salat werden auf den „Prüfstand“ im KWO- Labor untersucht.
Unabhängig davon führt die
Landesanstalt für Umweltschutz Karlsruhe auch auf diesem Gebiet Entsprechende
Kontrollmessungen durch.
Problem:
Für alle Wärmekraftwerke ist es nicht möglich, Wärme vollständig in
elektrische Energie umzuwandeln. Deswegen bleibt Abwärme in Form heißen
Wassers übrig, das in Kühltürmen heruntergekühlt werden muss, den Neckar
aber dennoch um ca. 1° Celsius erwärmt, was aber auf das Kleinklima im
Neckartal keine Auswirkungen hat.
Sicherheit
Die Kernkraftwerke sind mit ihren
durchdachten und gestaffelten Sicherheitssystemen die sichersten technischen
Anlagen überhaupt. In der westlichen Welt ist noch kein Mensch durch einen
Reaktorunfall ums Leben gekommen. Leider sind aber durch den Unfall in
Tchnernobyl Menschen gestorben. Dort wurden zum Experimentieren
Sicherheitseinrichtungen außer Betrieb gesetzt, was zu diesem schweren Unfall führte.
Aber auch aus physikalischen Gründen ist ein solcher Unfallablauf in deutschen
Kernkraftwerken auszuschließen.
Kernkraftwerke haben zwar ein Gefährdungspotential.
Ohne Sicherheitseinrichtungen wäre die theoretische Möglichkeit für die
Freisetzung von radioaktiven Abfallprodukten gegeben, die eine kurzwellige
Strahlung freisetzen würden, welche beim Menschen gesundheitliche Schäden zur
Folge hätten. Deshalb sind zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen in einem
Kraftwerk eingebaut. Sie reduzieren die Strahlendosis, so dass die Menge der
austretenden Strahlen dem Menschen nicht schaden kann. Im Fall von Störungen
sorgen Sicherheitseinrichtungen für den Verbleib von radioaktiven
Spaltprodukten in den Brennelementen. So wird eine Gefährdung der Umwelt
vermieden. Eine jahrzehntelange Erfahrung beweist, dass das verwendete
Sicherheitskonzept zuverlässig wirksam ist. Die Sicherheits- und Notkühlsysteme
werden bei einem Stromausfall durch Notstromaggregate versorgt. Die
Sicherheitseinspeisepumpen dieser Systeme werden teilweise auch direkt durch
Dieselaggregate angetrieben.
Bis jetzt hat das Kernkraftwerk
Obrigheim zuverlässig gearbeitet. Das angestrebte Ziel einer sauberen und
preiswerten Stromversorgung wurde erreicht. Der Strompreis ist vergleichbar mit
modernen Gas- oder Kohlekraftwerken, aber ohne Umweltbelastung. Ein freiwilliges
Sicherheits-Nachrüstprogramm fand weltweit große Beachtung. Für die Region
war das KWO ein Gewinn, erstens weil Arbeitsplätze geschaffen wurden, und
zweitens, weil viele Aufträge in der Region selbst erteilt wurden und pro Jahr
ca. 15 Millionen Mark an Steuern und Abgaben anfallen.
