Ein Restrisiko bleibt, meint Professor Olav Hohmeyer von der Universität
Flensburg: “Es bleibt immer ein restliches Risiko, besonders groß im Bereich
des menschlichen Versagens, dass der Mensch nicht so handelt, wie es in
technischen Modellen unterstellt wird. In diesen Bereichen heißt es zum
Beispiel, dass es in Kauf genommen wird, dass wir im Schnitt von circa 30.000
Betriebsjahren, Reaktorbetriebsjahren, einen großen Unfall vom Tschernobyltyp
haben. Wenn sie 1000 Reaktoren weltweit hätten, heißt das alle 30 Jahre einen
solchen Unfall.”
Atomkraftwerke sind und bleiben unsicher. Auch das Argument, Atomkraft sei
konkurrenzlos billig, ist falsch. Tatsache ist: Atomstrom ist billig, weil er
politisch billig gemacht wurde - so erlaubt der Gesetzgeber den
Kernkraftwerksbetreibern eine dramatische Unterversicherung. Deutsche AKWs sind
mit 500 Millionen Mark gegen einen Gau haftpflichtversichert, die selbe Summe
geben Bund und Länder dazu. Experten schätzen aber die tatsächliche Schadenshöhe
auf bis zu fünf Billionen Mark. Zum Vergleich: Für Strahlenschäden, die der
Tschernobyl-Unfall allein in Deutschland anrichtete, zahlte das
Bundesverwaltungsamt 291 Millionen Mark.
Professor Olav Hohmeyer vergleicht: “Ihr Auto ist um ein Vielfaches, um ein
tausendfaches besser versichert, als ein Kernkraftwerk, aufgrund der hohen
Haftungsverpflichtung, die sie haben.” Eine Studie, noch im Auftrag der
Regierung Kohl erteilt, rechnet vor, was die Versicherungswirtschaft tatsächlich
berechnen müsste: “....müsste sie eine Versicherungsprämie erheben, die bei
Umlage auf den Strompreis eine Mark pro Kilowattstunde ergeben würde.” Mit
diesem Preis aber wäre die Kernkraft wirtschaftlich tot
ATOMSTROM
EINFACH ZU TEUER
In den USA ist sie es de facto bereits.
Die Amerikaner entscheiden unideologisch, nur am Preis orientiert, wie Dr.
Martin Resnikoff, Nuklearphysiker in New York, bestätigt: “Ich kann mich kaum
mehr erinnern, wann der letzte Reaktor in den USA verkauft wurde. Das war Ende
der siebziger Jahre. Im Vergleich zu anderen Formen der Energiegewinnung ist die
Kernkraft einfach zu teuer.” In schönen Animationsfilmen preist die KWU ihre
neuen Gas und Dampfturbinen an - schon heute macht die Siemenstochter nach
eigenen Angaben sechsmal mehr Umsatz mit konventionellen Kraftwerken als mit
Kernkraftwerken.
Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Ausstieg aus der Kernenergie Arbeitsplätze
in innovativen Bereichen schaffen wird. Laut Professor Olav Hohmeyer verlöre
man bei einem Ausstieg etwa 10.000 Arbeitsplätze, wobei man in anderen
Bereichen sehr viel mehr gewänne. Insgesamt ergebe ein Ausstieg aus der
Atomenergie ein Plus von 25.000 Arbeitsplätzen, so rechnet der Wissenschaftler
vor.
Das Klimaschutzziel den CO2-Ausstoß zu reduzieren, ist auch bei einem
Atomausstieg zu schaffen. Bedingung dafür wäre: Der Ausstieg muss der Einstieg
in Energiespartechniken werden. Hier sind nach Meinung von Professor Olav
Hohmeyer verblüffende Potentiale vorhanden: “Sie können ein Kernkraftwerk
dadurch einsparen, dass sie die Stand-By Schaltung wie zum Beispiel beim
Fernseher auf den neusten technischen Stand bringen und zusätzlich in
bestimmten Umfang Energiesparlampen einsetzen, und sie hätten schon ein KKW
eingespart.”