Vergleich :
Kernkraftwerk
Philippsburg /
Centrale
nucléaire de Cattenom
Centrale
nucléaire de Cattenom bei Tag und bei Nacht
Im Rahmen unseres Austauschprogramms besichtigten wir im
Januar das Kernkraftwerk Philippsburg und im März die Centrale nucléaire de
Cattenom. Unsere Befürchtung, dass beide Kernkraftwerke identisch seien,
bewahrheitete sich zum Glück aber nicht. Es handelt sich zwar in beiden Fällen
um Druckwasserreaktoren, Cattenom ist jedoch mit seinen vier Reaktorblöcken
mehr als doppelt so groß wie Philippsburg, das nur zwei Reaktorblöcke umfasst.
Der technische Ablauf der Stromproduktion ist allerdings weitgehend gleich und
soll hier nicht näher erläutert werden.
In beiden Kraftwerken wurden wir sehr freundlich
empfangen. In Philippsburg bot man uns sogar etwas zu essen und zu trinken an,
was vielleicht damit zusammenhängt, dass in Deutschland das Thema
„Energie“ viel kontroverser diskutiert wird als in Frankreich. Die
Personenkontrollen werden in beiden Kraftwerken unterschiedlich gehandhabt. In
Cattenom mussten wir eine genaue Teilnehmerliste sowie die Kopien der
Personalausweise mehrere Wochen im voraus abgeben. Bei den Ausweiskontrollen vor
Ort nahm man es aber nicht so genau. In Philippsburg wollte man unsere Ausweise
erst vor der Besichtigung sehen und jeder wurde einzeln mit einem Metalldetektor
überprüft.

Foto:
unsere Gruppe in Cattenom
Sowohl in Cattenom als auch in Philippsburg zeigte man
uns einen einführenden Film, der in Philippsburg allerdings etwas
propagandahaft gestaltet war. In Cattenom sahen wir eine französische Version
mit deutschen Untertiteln, während man uns in Philippsburg nur die englische
bzw. die deutsche Version vorführte. Dies war bei unserer dreisprachigen
(italienisch- französisch-deutschen) Gruppe jedoch nicht so praktisch.
Die Führung erfolgte jeweils in kleinen Gruppen, wobei
das Personal bei unseren Schülern unterschiedlich gut ankam. In Deutschland gab
man uns Kopfhörer, damit wir auch bei starkem Lärm folgen konnten. Die
anschließende Diskussion pro oder kontra Atomkraft war teilweise ziemlich
lebhaft. Die Kontra-Argumente unserer Schüler wurden von den entsprechenden
Referenten jedoch eher abgewürgt und die alternativen Energien als vernachlässigbar
abgetan. Die „fast absolute Sicherheit“ der Nukleartechnologie wurde immer
wieder betont. Allerdings gab ein Begleiter zu, dass man die Reaktoren gebaut
habe, aber immer noch nicht genau wisse, wo und wie der atomare Abfall auf Dauer
gelagert werden könne. In Cattenom hatten wir das Glück, dass einer der vier
Reaktorblöcke für drei Monate zur Wartung abgeschaltet war, so dass wir einen
geöffneten Turbinenblock und einen Kühlturm von innen sehen konnten.
In Cattenom erhielten wir mehr Informationen über die tägliche
Arbeit der Angestellten und besichtigten sogar die Umkleidekabinen, wo man uns
Informationen zur Strahlungsmessung mit entsprechenden Detektoren und zur
Dekontamination gab. In Philippsburg erhielten wir dagegen mehr
Zusatzinformationen über Zwischenlager und Castor-Transporte.
Beide Führungen waren interessant, aber wir stellten doch
Unterschiede in der Mentalität und Einstellung zwischen Deutschen und Franzosen
fest: Die französische Bürokratie steht wider Erwarten der deutschen in nichts
nach. Auch muss die französische Atomindustrie (78% der französischen
Stromversorgung) nicht um ihre Akzeptanz kämpfen und deshalb nicht soviel Öffentlichkeitsarbeit
betreiben, was sich auch darin äußert, dass Cattenom sein umfangreiches
Sponsoring-Programm weitgehend zurückgefahren hat und nur noch ortsansässige
Vereine unterstützt.
Um die Besichtigung des Kernkraftwerks Cattenom zu ergänzen,
fuhren wir am folgenden Tag in die Vogesen zum Stausee von Pierre Percée, der
extra gebaut wurde, um als Regulierungsbecken der Mosel und der Wasserversorgung
des Kernkraftwerks zu dienen.
Dies ist insbesondere im Sommer nötig, wenn der
Wasserstand der Mosel besonders niedrig ist. Alle waren über die Einfachheit
und gleichzeitige Komplexität dieses naturfreundlichen Regulierungssystems
erstaunt.

Version
française